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From: Isi at kurbel.Infodrom.North.DE (Isgard Lechleitner)
To: ozgurluk at xs4all.nl
Subject: heyva-sor-bericht juli
Date: 28 Aug 1996 00:08:00 +0100

## Nachricht vom 28.08.96 weitergeleitet
## Ursprung : /cl/europa/tuerkei
## Ersteller: Isi at kurbel.Infodrom.North.DE

HEYVA SOR A KURDISTANE
Kurdischer Roter Halbmond
__________________________________________________

In der Stehle 26 · 53 547 Kasbach Ohlenberg · Tel. 0 26 44/ 88 91  · FAX: 0 26
44/ 78 45 Sparkasse Bochum: Konto Nr. 44 00 453   · BLZ: 430 500 01 HEYVA SOR
A KURDISTANE ist als gemeinnützige und mildtätige Körperschaft anerkannt.
4.Jahrgang, Nr.7 - 16.08.96

BERICHTE AUS KURDISTAN
Juli 1996



Strategisches Dorf errichtet:
Van: In Kurdistan wurde ein weiteres strategisches Dorf errichtet: Fünf Dörfer
der Kreisstadt Gürpinar wurden entvölkert und die Bewohner wurden mit
militärischer Gewalt in dem Dorf Agcuri angesiedelt. Mit der Errichtung der
strategischen Dörfer bezweckt das Militär, die totale Kontrolle über die
Bewohner zu erzielen. (Ö.P. 7.7.)

UNHCR: "Luftangriffe einstellen!":
Genf: Der Pressesprecher des UNHCR, Ron Redmond, forderte bei einer
Pressekonferenz in Genf die Türkei auf, die Bombardierung kurdischer Dörfer in
Süd-Kurdistan/Nord-Irak einzustellen. Die türkische Luftwaffe, so R. Redmond,
habe am 2.7. kurdische Dörfer im Gebiet Kanimasi in der Nähe Zakho bombardiert
und anschließend über das Flüchtlingscamp Etrush geflogen. Bei den
Luftangriffen kurdischer Gebiete im Iran und Irak durch die türkische
Luftwaffe im letzten Monat 10 Zivilisten getötet und zahlreiche Zivilisten
verletzt und 17 Dörfer zerstört.  (Ö.P., 7.7.)

Tote im Flüchtlingscamp:
Hakkari: Im Flüchtlingscamp in der Gemeinde Ertos, Kreisstadt Cukurca sind 15
Kinder an Typhus und Darminfektion gestorben. Seit Winter d.J. leben etwa 160
Familien (600 Personen) in dem Camp. Sie werden von den Militärs verhindert,
in ihre Dörfer zurückzukehren. In dem Camp werden aufgrund von Krankheiten,
Epidemien und Hunger weitere Todesfälle befürchtet. (25.07., Ö.P.)

Iranische Armee in Südkurdistan:
Erbil: Mit einer 2.000 Mann starken Einheit und etwa 100 Panzern ist die
iranische Armee nach Südkurdistan/Nordirak eingedrungen. Ziel der
Militäroperation seien die Stellungen der Demokratische Partei Kurdistans,
KDP-Iran, in der Nähe der Stadt Erbil. Bei den Artilleriebeschuß iranischer
Truppen in dem Gebiet Molla Ömer, in dem überwiegend kurdische Flüchtlinge aus
dem Iran leben, wurden 2 Kinder getötet und 7 weitere verletzt, Aus Protest
gegen die iranische Invasion haben sich vier kurdische Frauen in dem
Flüchtlingslager selbst verbrannt. (Ö. P., 30. und 31. 07.)

IHD- Bericht
Januar-Juni
    10 Menschen wurden durch Todesschwadronen getötet.
    71 Menschen wurden exekutiert bzw. im Polizeigewahrsam zu Tode gefoltert.
    49 Zivilisten  wurden bei Militär- bzw. Polizeiübergriffen getötet und
    75 Zivilisten verletzt
   638 Menschen wurden bei militärischen Auseinandersetzungen getötet.
   203 Folterfälle wurden bekannt
 12305 Menschen wurden festgenommen und davon
   898 inhaftiert.
    52 Dörfer wurden zerstört und entvölkert
    49 Einrichtungen wurden Ziel von Bombenanschlägen.
    34 Menschen sind in der Haft "verschwunden"
    11 Vereine, Gewerkschaften und Publikationen
    wurden verboten, 8 von Staatskräften überfallen
    58 Pressenmitarbeiter wurden festgenommen

1. Durch Angriffe von Todesschwadronen wurden getötet:
Mehmet Inanc			09.07. -Cizre
Sükrü Yanar (45)
Nurettin Yazici (60) und
eine nichtidentifizierte Person	21.07.- Lice

2. Durch Angriffe von Todesschwadronen wurden verletzt:
Mehmet Tuna			24.06.-27.06. - Diyarbakir

3. Bei Angriffen von Militärs, Polizei und
   Dorfschützern Getötete und Verletzte:
05.07. Diyarbakir: Mehmet Memis (14) wurde beim Beschuß des Dorfes Selman,
Distrikt Egil, am 29.06. erschossen. 08.07. Dersim: Hüseyin Saltik (60) wurde
erschossen, als er am 05.07. um 21.30 unterwegs zu seinem Dorf Besevler,
Distrikt Ovacik, war. Batman: Meryem Erasan, die am 03.06  zu Hause im
Stadtteil Ilhan zusammen mit ihren zwei 12 und 13-jährigen und Kindern
festgenommen wurde, wurde durch Folter Querschnittsgelähmt. Diyarbakir: Sahab
Dogan, HADEP-Mitglied, der am 10.06. festgenommen wurde, wurde schwer
gefoltert und mit Gewalt gezwungen, eigenen Grab auszugraben. Er wurde von der
Polizei mit dem Tode bedroht, wenn er gegen die inhaftierten HADEP-Funktionäre
nicht aussage. 11.07. Süd-Kurdistan: Bei der Bombardierung der Dörfer
Pistilan, Mehbut, Hizna und Bane wurden  12 Kinder z.T. schwer verletzt.
14.07. Maras: Ismet Demiralp, Sener Akkol, Bayram Akduman und Mevlüt Taskin
wurden in der Nähe der Gemeinde Kullartallar, Distrikt Nurhak, von den
Dorfschützern exekutiert. 15.07. Istanbul: Mahmut Dalgic (30) wurde am 13.07.
im Stadtteil Mahmutbey von dem Polizeibeamten Aydin Yilmaz erschossen. 16.07.
Istanbul: Gülizar Simsek, Emine Tuncel, Hasan Hüseyin Onat und eine männliche
Person wurden als vermeintliche Attentäter auf eine Polizeirevier im Bezirk
Gültepe von der Polizei in einem Haus erschossen . 18.07. Mardin: Remzi Uyan
(34), der am 07.07. in seinen Weingarten von den Militärs angeschossen wurde,
ist im Krankenhaus verstorben. 21.07. Istanbul: Bei einer Demonstration am
19.07. im Zusammenhang mit den Hungerstreiks in den Gefängnissen, bei der die
Polizei in die Menge schoß, wurde Levent Dogan (16) erschossen. Adana: M. A.
(30) aus Van, wurde am 24.06. vor dem Krankenhaus, wo sie sich wegen einer
ärztlichen Untersuchung aufhielt, von der Polizei festgenommen Sie wurde
zunächst aufgefordert, als Agentin für die Polizei zu arbeiten. Als sie es
ablehnte, wurde sie gefoltert und anschließend vergewaltigt und am 15.07. im
Inönü-Park abgesetzt. 24.07. Hakkari: Hamza Kek Melle (21), Rahmet Abdullah
Hasan (24), Muhittin Fazil Mehmet Ali (34), Eyyüp Isa Yahya (26) und drei
weitere Personen, die allesamt Schmuggler aus Südkurdistan waren, wurden am
20.07. in der Nähe des Dorfes Biwerse von Militärs erschossen und als PKK-ler
präsentiert. Bingöl: In der Nähe des Dorfes Agacyolu wurde ein LKW unter
Beschuß genommen, wobei Halil Baki angeschosen wurde. 27.07. Mardin: Eine
Gruppe von Schmugglern wurde am 23.07. an der syrisch-türkischen Grenze
beschossen, dabei wurde Yahya Basak getötet.

4. Verschwindenlassen von Menschen  nach ihrer Festnahme:
02.07. Diyarbakir: Ahmet Demiray, festgenommen am 22.04.94, im Bezirk Baglar.
04.07. Van: Hasan Bilik, Geschäftsmann aus Iran, festgenommen am 02.05. von
den Dorfschützern im Distrikt Caldiran. 05.07. Istanbul: Nacdet Aydin,
festgenommen am 03.07. um 24.00 Uhr im Bezirk Kagithane. 06.07. Sivas: Mustafa
Tokus, festgenommen am 22.06. bei der Arbeit im Distrikt Divrigi. 07. 07.
Istanbul:  Ayten Caliskan, Abdurrahim Necmettin und Niyazi ?, festgenommen am
27.06. zu Hause im Stadtteil Eminönü. Naif Demir, festgenommen am 03.07. im
Bezirk Kartal. 10. 07. Diyarbakir:  Abdurrahman Celikbilek, HADEP-Mitglied,
festgenommen am 24.06. im Bezirk Baglar. 09.07. Adana:  Hasan Taybogan, (47),
festgenommen am 06.07. im Stadtteil Barbaros. Dersim: Nuray Aydogan (28),
festgenommen am 01.07. unterwegs von Hozat nach Elazig. 11.07. Diyarbakir:
Abdullah Azizoglu, festgenommen am 29.06. im Stadtteil 5. Nisan. Urfa: Feridun
Bulut, Bakir Cökmez, Zeki und Ömer Kanat, festgenommen am 09.07. im Dorf
Karahöyük, Distrikt Suruc. 12.07. Diyarbakir:  Erdal Demiray und Mahmut
Özgecmez, festgenommen am 03. bzw. 07.07. im Distrikt Hazro, bzw. im Stadtteil
Fatih. 13.07. Mardin:  Adnan Yüce (29), festgenommen am 07.07. im Stadtteil
Kücükpinar, Distrikt Derik. Sirnak: Sadun Keve (31), festgenommen am 10.06. in
der Kreisstadt Cizre. Mersin: Rifat und Cengiz Gündogdu, festgenommen am
11.07. im Dorf Buluklu (Durukent). 15.07. Istanbul: Deniz Özcan (18) wurde am
11.07. festgenommen, als er sein Haus im Bezirk Bayrampasa verließ. D. Özcan
ist der Zeuge in dem Mordprozeß des Journalisten Metin Göktepe,der Anfang d.J.
von der Polizei zu Tode gefoltert wurde. Batman: Irfan Isgören wird seit dem
09.07. vermißt, nachdem er aus dem Gefängnis zu seinem Gerichtsprozeß beim
Staatssicherheitsgericht in Diyarbakir abgeholt wurde. Istanbul: Adem Saritac,
Mitglied der Lehrer-Gewerkschaft (Egit-Sen), fest. am 11.07. zu Hause im
Stadtteil Esesnyurt. 16.07. Diyarbakir: Salih Koyuncu, festgenommen im Juni
Stadtteil 5. Nisan. 19.07. Mardin: Isa Efe (65), festgenommen  am 07.07. im
Dorf Dise, Distrikt Derik. 20.07. Adana: Salih Özbek (22) festgenommen am
18.07., als er seinen Vater im Gefängnis besuchen ging. 21.07. Diyarbakir:
Ibrahim Kartay (30), festgenommen am 16.07. im Dorf Huri (Gömec), Distrikt
Hani. Nezir Özdemir, festgenommen am 16.07. zu Hause im Stadtteil Huzurevler.
N. Özdemir leidet unter der Epilepsie-Krankheit. Istanbul: Lezgin Akay,
festgenommen am 13.05., nachdem er einen Vater im Gefängnis in Ümraniye
besucht hat. 24.07. Adana: Cemsid Özbay, festgenommen am 16.07. bei der Arbeit
im Stadtteil Sakirpasa. 28.07. Diyarbakir: Mikayil Temiz (32), und Ibrahim
Malgir (29), festgenommen am 21.07. unterwegs von der Kreisstadt Cinar nach
Diyarbakir.

5. Verschleppt und Getötet:
30.07. Mardin: Süleyman Seyhan (65), der im November 1995 im Distrikt Dargecit
festgenommen wurde, wurde mit Folterspuren tot aufgefunden.

6.Tote und Verletzte durch Minen- und Bombenexplosionen:
01.07. Diyarbakir: B.B. (11) wurde beim Tretren auf eine Mine im Stadtteil
Muradiye, Distrikt Lice getötet. 25.07. Hakkari: Sevdin Kilic (40) wurde
getötet und Ahmet Keskin wurde verletzt, als sie mit einem PKW zwischen den
Vororten Kadana (Caliskanlar) und Katuna (Kayalar) auf eine Mine fuhren.

7. Völlig oder z.T. zerstörte bzw. entvölkerte Dörfer:

Bingöl: Gurnik (Oglut)
Bitlis: Gisk (Tasbogaz), Totan, Hormiz
Diyarbakir: Kurucayir, Kubek, Dercan, Gpmane, Amrexe, Helhel (Ciftlikbasi),
Barguc (Bayirdüzü)
Mus: Hasina (Tatlica)
Siirt: Rejnav
Süd-Kurdistan: Simakiye, Duri, Afsurk, Kari, Baluka, Hese, Simalya, Hese,
Merkaciya, Yekmal, Xirabe, Helwa, Tiranij, Bigdaxde, Giri Berburi, Cemdostina,
Milikta, Betanira
Van: Govan, Xazir, Xatyan, Sililan, Dudan

Gefängnisse:
Wenig hat sich geändert
Nach  dem   Ende  des   Todesfastens,  das 12 Gefangenen das Leben gekostet
hat, und den Hungerstreiks in den meisten Gefängnissen, muß weiterhin  für die
Umsetzung der zugesagten Erfüllung der Forderungen der Gefangenen  gekämpft
werden. In mehreren Gefäng-nissen gehen die  Hungerstreiks auch noch weiter.
Justizminister Kazan erklärte Anfang August die 102 Gefangenen des
Isolationsgefängnisses Eskise-hir würden "morgen oder übermorgen" verlegt.
Nach dem  Todesfasten wurde zugesagt, daß die Gefangenen aus Es-kisehir nach
Ümraniye kämen, es wird aber offensichtlich  eine   Verlegung nach Gebze und
Sakarya vorbereitet, was gegen   die Vereinbarungen ist.  Außerdem behauptete
Kazan, alle Gefangenen, die sich an den Hungerstreiks und am Todesfasten
beteiligt hatten, seien in gutem Gesundheitszustand.  Viele wurden aus dem
Krankenhäusern  wieder  in die Gefängnisse zurückver-legt, obwohl sie noch
dringend behandlungsbedürftig sind, einige wurden in den Krankenhäusern auch
von Polizei- un d Gen-darmeriekräften angegriffen. Auch seine Pläne für
Gefängnis-neubauten hat Kazan nicht aufgegeben. Er  will  die  Gefängnisse
Buca,  Bayrampasa  und Ulu-canlar  für  4  Trillionen  TL  verkaufen und mit
dem Verkaufserlös neun neue Gefängnisse bauen lassen,  allerdings hat er noch
keine Käufer gefunden.

DRINGENDER  APPELL:
 Die Gefängnisse waren stets eine derjenigen Institutionen in der Türkei, in
denen Gewalt rücksichtslos angewendet wurde. Mit den letzten 12 Todesfällen
verloren seit dem Militärputsch vom 12. September 1980 428 politische
Gefangene durch Folter, menschenunwürdigen Haftbedingungen, Hungerstreiks und
Unterlassung medizinischer Hilfe ihr Leben. Wir fordern demokratische
Parteien, Institutionen und Organisationen auf, gegen die menschenunwürdigen
Bedingungen in den türkischen Gefängnissen zu protestieren und
Beobachterdelegationen zu entsenden, die die Situation vor Ort untersuchen
sollen. Insbesondere fordern wir das IKRK, den UNHCR und andere
Hilfsorganisationen auf, die Situation in den türkischen Gefängnissen zu
untersuchen. Heyva Sor a Kurdistanê (Kurdischer Roter Halbmond), Telefon
02644/8891 oder Telefax: 02644/7845.


Die Grenzen verlaufen nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen Oben und
Unten.

## CrossPoint v3.02 ##

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