(Ger) Statement by Austrian AGM (Working Group Marxism)

Kurt Lhotzky kurt.lhotzky at chello.at
Thu Sep 13 03:59:20 MDT 2001


Dear Comrades,

I send You our statement on the attacks on NY and Wahington D.C. Sorry to
say, we have no ressources at present to provide it in English. I had the
impression, that some comrades here can, at least, read Geman fluently. As
soon as we have a translation, I will post it!

Kurt, from Vienna


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Nach Hanoi, Bagdad und Belgrad:

L u f t k r i e g   g e g e n   N e w   Y o r k   u n d   W a s h i n g t o
n

Die USA haben am Dienstag das erlebt, was normalerweise ihre
Militärmaschinerie auf der Welt verbreitet. Die Empörung der
US-Politiker/innen und ihrer weltweiten Journaille über die Anschläge auf
das World Trade Center (WTC) und das Pentagon ist geschmacklose Heuchelei.
Insofern ist es wenig überraschend, dass viele Menschen - insbesondere in
der halbkolonialen Ländern - heimliche oder offene Freude darüber empfinden,
dass diese Symbole des US-Imperialismus getroffen wurden, dass auch die
Herren der Welt in Washington und New York nicht unverwundbar sind.

Das WTC ist einer der Orte der Welt, von wo aus die ökonomischen
Massenmörder in den Konzern- und Bankzentralen den Hunger und das Elend für
große Teile der Menschheit organisieren. Das Pentagon ist das Gebäude, von
dem aus der weltweite feige Terror der US-Militärmaschinerie gegen all
diejenigen organisiert wird, die die Profitinteressen und die globale
Herrschaft des US-Kapital auch nur ansatzweise in Frage stellen.

Auf Vietnam haben die amerikanischen Vorreiter für Demokratie und Freiheit
in den 1960er und 1970er Jahren mindestens dreimal soviele Bomben angeworfen
wie im gesamten 2. Weltkrieg auf allen Kriegsschauplätzen der Welt
eingesetzt worden sind - und dabei etwa zwei Millionen Vietnames/inn/en
(überwiegend Zivilisten) ermordet.

Im Krieg gegen den Irak 1991 haben die USA und ihre Verbündeten die
irakischen Städte in monatelangen Bombardements in Schutt und Asche gelegt,
dabei nach UN-Angaben an die 200.000 Menschen (meist Zivilisten) massakriert
und mit dem nachfolgenden Embargo über eine halbe Million Menschen
(überwiegend Kinder) getötet.

Bei dem über zwei Monate andauerenden Angriffen der überlegenen
NATO-Luftwaffe auf Jugoslawien wurden tausende Menschen ermordet,
Wohnviertel, Industrieanlagen und Infrastruktur jugoslawischer Großstädte
zerstört und dabei nach Angaben eines spanischen Luftwaffenoffiziers auch
toxisches Nervengas, uraniumhaltige Bomben, schwarzes Napalm und
Sterilisationschemikalien eingesetzt.

Auch das reaktionäre Taliban-Regime in Afghanistan, der Hort des
mutmaßlichen Terror-Drahtziehers Osama bin Laden, ist letztlich ein Kind des
US-Imperialismus. Die islamistischen Extremisten der Taliban wurden lange
Zeit vom US-Vassallen Pakistan und direkt vom CIA gegen die prosowjetische
afghanische Regierung aufgebaut, finanziert und aufgerüstet. Gegen die "rote
Gefahr" war den US-Menschenrechtsfreunden schon immer jedes Mittel recht.
Die gerufenen islamistischen Geister werden sie jetzt nicht so leicht wieder
los.

So sehr die USA die Hauptmacht der imperialistischen Weltordnung sind, so
sehr Pentagon und WTC Zentren von Unterdrückung und Ausbeutung sind, so sehr
sind die Anschläge in New York und Washington trotzdem abzulehnen - aus
mehreren Gründen:

1) Die Anschläge haben nicht nur die Verbrecher/innen der herrschenden
Klasse der USA, ihre Manager und ihre militärischen und politischen
Handlanger getroffen, sondern auch Putzfrauen, Sekretärinnen und viele
andere Lohnabhängige.

2) Die Zerstörung des WTC und des Pentagon ändert nichts an der von dort aus
organisierten kapitalistischen Barbarei.

3) Die Anschläge tragen nicht im geringsten zur Mobilisierung der
Lohnabhängigen und Ausgebeuteten gegen dieses System bei, sondern werden es
im Gegenteil der herrschenden Klasse erleichtern, einen "nationalen
Schulterschluss gegen den Terror" herzustellen und eine verstärkte
Repression gegen jede systemkritische Opposition zu legitimieren.

An all diesen Dingen können Marxist/inn/en und Antikapitalist/inn/en kein
Interesse haben. Unsere Perspektive sind nicht Schläge gegen Symbole des
System, sondern Klassenkampf zur Vernichtung des Kapitalismus.

Ein Kommentar von Julia Masetovic, Wien am 12. September 2001

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